Berufliches Gymnasium - wirtschaftlicher Zweig im Wandel der Jahre

Die Bezeichnung des Beruflichen Gymnasiums ist im Laufe der Zeit mehrfach verändert worden.

Über 60 Jahre lang galt der Begriff Wirtschaftsgymnasium in Kiel.

Von 1972 bis 2007 lautete der Name Fachgymnasium - wirtschaftlicher Zweig

Ein Auszug aus der Chronik von 1978

An den Beruflichen Schulen der Stadt Kiel am Ravensberg und an den Beruflichen Schulen der Stadt Kiel am Schützenpark besteht ein Fachgymnasium - wirtschaftlicher Zweig. Das Fachgymnasium - wirtschaftlicher Zweig - wurde 1948 als Wirtschaftsoberschule gegründet. Die Wirtschaftsoberschule erhielt 1968 die Bezeichnung Wirtschaftsgymnasium, die sie bis Anfang der siebziger Jahre behielt.

Überlegungen zur Gründung einer Wirtschaftsoberschule wurden bereits nach dem 1. Weltkrieg angestellt. Die Schulchronik berichtet hierzu: "Der Ausbau der zweijährigen Höheren Handelsschule zu einer Wirtschaftsoberschule wurde infolge der Wirtschaftskrise...... nicht mehr durchgeführt. " Erneute Bemühungen, diesen Schultyp einzurichten, führten Ostern 1948 "nach kurzer, aber intensiver Vorbereitung" zum Erfolg. "Die so lange erstrebte Ergänzung" der Städtischen Handelslehranstalten "durch eine Wirtschaftsoberschule" war damit durch das Land Schleswig-Holstein und durch die Stadt Kiel vollzogen worden. Wirtschaftsoberschulen hatte es zuvor in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben. In Deutschland wurden zuerst 1926 in Baden und in Sachsen Wirtschaftsoberschulen gegründet. Die Vorbereitungen zur Schulgründung und die grundlegenden Arbeiten zur inhaltlichen und organisatorischen Gestaltung dieser Schule während der Zeit ihres Aufbaus wurden maßgebend von Lehrern der Schule mitgetragen und für die Zukunft mitgeprägt. Den Unterricht in den Wirtschaftsfächern und in den Fremdsprachen übernahmen Diplom-Handelslehrer der Handelslehranstalten, für den Unterricht in den deutschkundlichen und in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern kamen Lehrer für das Lehramt an höheren Schulen (Philologen) neu in das Lehrerkollegium. Als 1960 die Kaufmännische Berufsschule eine selbständige Schule unter diesem Namen wurde, bildete die Wirtschaftsoberschule mit den Handelsschulen als Städtische Handelslehranstalten und Wirtschaftsoberschule ( Schulbezeichnung : Berufliche Schulen am Ravensberg - Wirtschaft und Verwaltung -) eine Schuleinheit. 1972 wurde an der Kaufmännischen Berufsschule (heutige Schulbezeichnung: Berufliche Schulen am Schützenpark - Wirtschaft -) ein weiteres Fachgymnasium des wirtschaftlichen Zweiges eingerichtet. Die Schule hat seit ihrem Bestehen den Auftrag, ihren Schülern den Erwerb der Hochschulreife zu ermöglichen und sie auf eine berufliche Ausbildung im Bereich von Wirtschaft und Verwaltung vorzubereiten. Die bestandene Abschlußprüfung berechtigte bis 1969 zum Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an den Hochschulen in Schleswig-Holstein (fachgebundene Hochschulreife) während der letzten Jahre dieser Regelung war es über eine Ergänzungsprüfung möglich, die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. 1970 wurde diese Fachgebundenheit aufgehoben, die nunmehr zuerkannte allgemeine Hochschulreife galt für ein Studium im Lande Schleswig-Holstein. Diese jeweils auf Schleswig-Holstein beschränkten Berechtigungen wurden im wesentlichen von den meisten Bundesländern anerkannt. - Künftig wird die allgemeine Hochschulreife allen Schülern einschränkungslos zugesprochen, die nach dem Besuch der Studienstufe die Abiturprüfung am Fachgymnasium bestehen. Die lückenhaften Unterlagen über die Berufswünsche der Abiturienten lassen den vorsichtigen Schluß zu, daß - im ganzen gesehen - bis Anfang der sechziger Jahre ungefähr drei von vier Abiturienten unmittelbar nach Beendigung der Schulzeit eine berufliche Ausbildung beginnen wollten, jeder vierte Schulabgänger an einer Hochschule studieren wollte. Wenige Jahre später hatte sich dieses Verhältnis in etwa umgekehrt. Angaben über später tatsächlich ausgeübte Berufe liegen nicht vor, aber manche Abiturienten werden noch nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung (Lehre) ein Hochschulstudium aufgenommen haben. Voraussetzung für den Schulbesuch ist der mittlere Schulabschluß, der durch das Abschlußzeugnis einer Realschule oder durch ein als gleichwertig anerkanntes Zeugnis nachgewiesen wird. Bis zu Ende der sechziger Jahre wurde die Eignung der Bewerber außerdem durch eine Aufnahmeprüfung festgestellt; gegenwärtig muß das Bewerbungszeugnis bestimmten Mindestanforderungen genügen. Im Laufe der Zeit wurde die Realschule die typische Zubringerschule; über die Zweijährige Handelsschule (Berufsfachschule für Wirtschaft) kamen, insgesamt gesehen, nur wenige Schüler. Seit einigen Jahren kommt es häufiger vor, daß junge Menschen den Schulbesuch erst nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung aufnehmen; ihr Anteil an den aufgenommenen Bewerbern bleibt aber im langjährigen Mittel unter 10%. Im Durchschnitt aller Jahre lag der Anteil der Mädchen an der gesamten Schülerzahl bei knapp einem Drittel. Bis zur allgemeinen Einrichtung von Fachgymnasien an den Beruflichen Schulen im Lande Schleswig-Holstein in den Jahren 1971/72 kamen die Bewerber um die Aufnahme in die Schule nicht nur aus Kiel, sondern auch aus dem Kieler Umland. Bis in die zweite Hälfte der sechziger Jahre gab es in Schleswig-Holstein nur drei Wirtschaftsoberschulen/ Wirtschaftsgymnasien. Die Schulkapazität reichte nicht aus, sie wurde nach 1960 dreimal erhöht. War bis 1960 jährlich nur eine 11. Klasse eingerichtet worden, so waren es fortan zwei und einige Jahre später drei 11. Klassen. Das 1972 an den Beruflichen Schulen am Schützenpark eingerichtete Fachgymnasium - wirtschaftlicher Zweig - nimmt seit 1973 jährlich Schüler für zwei 11. Klassen auf. In den letzten Jahren konnten alle Bewerber, die die Aufnahmebedingungen erfüllten, zum Schulbesuch zugelassen werden. Die Stundentafeln wurden mehrfach geändert. Die Stundentafeln aus den Jahren 1963 und 1972 belegen, wie einerseits wirtschaftliche Fächer der Schule ihr besonderes Gepräge geben, andererseits herkömmlichen Fächern des Gymnasiums - besonders Fächern des sprachlichen Bereichs - breiter Raum geben wird. Sie zeigen aber zugleich, daß auch diese Schule dem Wandel unterworfen ist. Die sich hier anbietenden Überlegungen zum Bildungsauftrag einer wirtschaftlichen Schule und zur Stellung der einzelnen Fächer im Rahmen dieses Bildungsauftrages sind den entsprechenden Abschnitten dieser Schrift vorbehalten. Auf der Grundlage der Vereinbarung der ständigen Kultusministerkonferenz zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe aus dem Jahre 1972 wurde 1976 (Berufliche Schulen am Ravensberg) bzw. 1977 (Berufliche Schulen am Schützenpark) die Studienstufe eingeführt. Im Fachgymnasium wurden die Schüler im ersten Schulhalbjahr der Jahrgangsstufe ll im Klassenverband unterrichtet, es gilt eine verbindliche Stundentafel. Danach wird das Kurssystem eingeführt. Die Unterrichtsfächer sind Aufgabenfeldern zugeordnet: Sprachlich-literarisch-künstlerisches Aufgabenfeld - Deutsch, Englisch, Zweite Fremdsprache, Kunst oder Musik Gesellschaftewissenschaftliches Aufgabenfeld - Gemeinschaftskunde, Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Wirtschaftsgeographie, Rechtslehre Mathematisch-naturwissenschaftlich-technisches Aufgabenfeld - Rechnungswesen, Mathematik, Physik Außerdem muß jeder Schüler Kurse in Religion bzw. Philosophie und in Sport belegen. In einem Wahlbereich können Kurse in weiteren Fächern angeboten werden. Das 1. Leistungskursfach ist für jeden Schüler Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, das 2. Leistungskursfach ist Englisch oder Mathematik. Neben den Leistungskursfächern sind weitere zwei Fächer Prüfungsfächer, die der Schüler so wählen muß, daß alle Aufgabenfelder durch Prüfungsfächer erfaßt werden. Charakter und Zielsetzung der Schule bleiben dadurch gewahrt, daß jeder Schüler bestimmte Kurse belegen, bestimmte Kurse in den Leistungenachweis für die Zulassung zur Abiturprüfung einbringen und feste Auflagen bei der Wahl des 3. und des 4. Prüfungsfaches beachten muß.

Quelle: 100 Jahre Kaufmännische Berufsschule - 60 Jahre Handelsschule - 30 Jahre Wirtschaftsgymnasium, Herausgeber Landeshauptstadt Kiel, Mitarbeiter: P. Ahl, W. Baar, Dr. H.-D. Balser, H. Banneck, J. Bockelmann, B. Bolz, A. Brammer, J. Brunkhorst, W. Dombergen, B. Gehrmann, W. Gravenhorst, H. Hansen, K. Hilbig, Dr. E. Jaenicke, O. Kränkel, U. Krope, H. W. Lassen, H. Leinemann, Dr. H. Luft, C. Nürnberger, Dr. G. Oto, K.-D. Pohl, H. Reyer, Dr. W. Schmerler, U. Schröder, H. Schüler, R. Trede, 1978 Diese Seite wurde am 14. April 1998 von K. Dombergen digital angepasst.


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